Yannick's View - Brothers in Arms: Hells Highway - Ubisoft

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Brothers in Arms 3: Hell's Highway wird uns von Ubisoft beschert und schickt uns nun zum dritten mal in den zweiten Weltkrieg. Was es sich mit dem dritten Teil der Reihe auf sich hat und ob ihr zugreifen müsst, erfahrt ihr in unserem Test.


In dem dritten Teil der bekannten Zweiter Weltkriegs-Reihe "Brothers in Arms" schlüpft ihr ein weiteres mal in die Rolle des Matt Baker, diesmal aber nicht als Fallschirmspringerdivisionskommandeur (Superwort!) sondern als Leiter einer speziellen Aufklärereinheit. Ihr kennt ihn nicht? Keine Sorge, wer die Vorgänger nicht gespielt hat, wird am Anfang der Kampagne mit "Previously in Brothers in Arms" filmtechnisch ans Geschehen geführt und ihr erfahrt so den groben Abriss der Geschichte und der Dramatik. Im Allgemeinen sind diese Cutscenes etwas neuartiges in der BIA-Reihe, ihr werdet also szenisch von Abschnitt zu Abschnitt geführt, was der Story und der Dramaturgie sehr entgegenkommt. Wer allerdings ein schwaches Gemüt hat, sollte erstmal im Menü "Gore" auf "Off" stellen, denn diese Filmsequenzen protzen vor Gewalt und Blut in jeglicher Ausführung, Abgetrennte Gliedmassen oder zerschossene Köpfe sind da keine Seltenheit. "

Wir wollten den Krieg so darstellen wie er war: Blutig und hässlich"

sagt einer der Spieledesigner.

Fragwürdig bleibt dann, ob "besonders gute Treffer" dann trotzdem in Nahaufnahme und Slowmo gezeigt werden müssen.

"Operation Market Garden" heisst der Schachzug der Alliierten, der im September 1944 vonstatten ging. Ein kleiner Umweg durch Holland und ab ins deutsche Reich preschen, damit's die Kollegen nicht so schwer haben. So könnte man die Aktion umschreiben. Das heisst für den Spieler: In 17 Level durch holländische Dörfchen ballern, Scharfschützen von Kirchen runterfegen, Geschützpunkte, Panzer und sonstige Fahrzeuge hochjagen, Krankenhäuser säubern oder auch mal das deutsche Radio sabotieren.

Taktik ist die halbe Mahlzeit

Das man in Brothers in Arms nicht völlig blauäugig durch die Gegend läuft und à la Call of Duty alles umrotzt was einem im Weg steht, wissen wir spätestens seit dem Vorgänger "Road to Hill 30", wo ihr auch schon als Team unterwegs gewesen seid. Hier heisst es Taktik regiert das Spielfeld, und wer das nicht beachtet wird auch keine grosse Überlebenschance aufweisen. Bis zu drei Teams kommandiert ihr über zwei Knöpfe, bewegen, angreifen, stellung halten, Schutzbarrikaden zerschiessen all das müsst ihr beachten. Bekannt aus Spielen wie "Rainbow Six Vegas" könnt ihr euch auch nun hinter Mauern oder derartigem verstecken und die Ansicht wechselt in die dritte Person. Allerdings müsst ihr auch da vorsichtig sein, denn dank Unreal 3 Engine sind nun auch sämtliche Holzmauern oder Strohkarren komplett zerstörbar.

So hangelt ihr euch quasi von Deckung zu Deckung, hantiert mit euren Teams und haltet den Kopf in Deckung. Das Kommandieren funktioniert auch soweit ganz gut, trotzdem kommt es vor, dass ein Team sich so dämlich positioniert, dass es nun vor der Deckung steht und nicht dahinter, oder die Kollegen sich selbst im Weg sind. Mit noch bescheidenerer Intelligenz bestückt ist allerdings die gegnerische Wehrmacht. So bleibt solche immer an Ort und Stelle und tut auch keinen Finger krum um euch mal zu verfolgen, oder wird auch noch ein 42stes mal den Kopf an der gleichen Stelle aus der Deckung schieben. Lediglich die Anzahl der Gegner lassen euch dann doch mal beissen.

Krieg ist keine schöne Sache

Trotz der guten Unreal 3 Engine kann Brother in Arms: Hell's Highway grafisch nicht ganz überzeugen. Die Charaktere sehen leblos aus, die Texturen sehr grob, der Schatten im Gesicht grausam, die Kanten flimmern und sobald die Kamera in einer Cutscene schwenkt, ruckelt es. Dass so etwas niemand gut findet, ist kein Geheimnis mehr im Jahre 2008. Schön, dass da trotzdem noch manche Sachen den Titel aufwerten lassen: Die Lichteffekte können sich wirklich sehen lassen und die Tiefenschärfe-Verlagerungen beim zielen sind mein persönliches Highlight! Insgesamt ist die Präsentation dennoch gelungen. Dank den Cutscenes wirkt der Titel noch mehr wie die Kriegsserie "Band of Brothers", ein orchestraler Soundtrack, der leider zu selten einsetzt, untermalt das ganze sehr schön. Dass die Brüder nur eine englische Sprachausgabe hat, mag den einen stören, ich aber finde es ganz toll, denn so kommt nun jeder der dieses Spiel spielt mal in den Genuss einer guten Synchronisation! Sowohl das englische als auch das deutsche Geschrei ist einfach klasse und hört sich grossartig an! Wenn der Feind euch noch nicht gesehen hat, flüstert eure kleine Truppe und ihr verhaltet euch ruhig, aber sobald es ins Kampfgefecht führt, wird aus vollster Kehle geschrien, was das Zeug hält. Sauber! So muss sich eine Synchro sein! Energisch und kraftvoll! Mehr davon!

Und zu mehreren...?

Die Internetpartien die ich angetestet habe, waren ein einziger Graus. Alle Spiele haben gelaggt, es gab in der gesamten ergatterten Spieleliste (keine Filter) vielleicht 40 Spieler, wo ich auch im Schnitt ca. 4 Anläufe gebraucht habe um einem Spiel beizutreten. Es gibt in jedem Team einen Squad Leader, der das Team befehligen kann, angedacht wie im Singleplayer, nur dass sich in der Onlinewelt keiner um jemanden schert, der einem Anweisungen gibt. Also keine Taktik hier sondern nur ein wildes, laggendes CTF-Erlebnis. Naja. Es gibt ja immer noch CoD4.

Alles in allem

...ist Brothers in Arms: Hell's Highway ein weiter Zweiter Weltkriegs-Shooter der uns nicht viel neues bringt. Das Szenario ist leider ausgelutscht, grafische Schwächen, keine herrausragende KI, dafür eine gut erzählte, schöne, dramatische Story, Teamsteuerung und viel Taktik. Ca. 15 Stunden Spielspass in der Singleplayerkampagne, ca. 1 1/2 in der Onlinewelt. Im Endeffekt bin ich unschlüssig. Für Fans der Reihe sicherlich ein solider Titel, alle anderen sollten lieber zu vergleichbaren Titeln greifen.

Positiv

  • Dramatische Story
  • Tolle Synchro und Soundtrack
  • Schöne Licht- und Schärfen-Effekte
  • Lange Spieldauer
  • Gute Präsentation
  • Sehr gewaltvoll

Negativ

  • Sehr gewaltvoll
  • Grafische Schwächen
  • Keine gute KI
  • Teilweise hoher Schwierigkeitsgrad
  • Onlinemodus eine Zumutung

Yannick De Decker
About the author:

...schrie er aus, als sein Blick von seiner immer größer werdenden Filmsammlung zu dem Bildschirm seines Macs schwenkte.

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