Yannicks View on Heavy Rain

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Heavy Rain machte schon lange vor Release auf sich aufmerksam. Als indirekter Nachfolger von Action Adventure "Fahrenheit", verspricht uns Entwickler Quantic Dream ein "Interaktives Drama" à la Film Noir, in welchem die eigenen Entscheidungen eine tragende Rolle spielen.
Heavy Rain stellt euch dabei eine essentielle Frage:
Wie weit würdest du gehen um jemanden zu retten den du liebst.
Ich stelle nun die Frage: Wie weit gehen Sony mit ihrem Exklusivtitel um euch zu unterhalten?


In Heavy Rain schlüpft ihr in die Rolle von 4 Hauptcharaktern und macht euch auf die Suche nach dem geheimnisvollen Origami-Killer, welcher Kinder kidnappt und ertränkt, wenn sich die Eltern nicht dazu bereit erklären diverse sadistische Aufgaben zu bewältigen. Die Kinder werden vom Regenwasser ertränkt, daher auch der Spieltitel...
Verhindern wollen das zum einen:

Ethan Mars, ein Familienvater, der bereits einen Sohn verloren bei einem Autounfall verloren hat und dessen zweiter Sohn Shaun vom Origami Killer gekidnappt wird
Norman Jayden, ein FBI Profiler, der auf den Fall angesetzt wird
Scott Shelby, Privatdetektiv, ermittelt auf eigene Faust
und Madison Page,
die zufällig in die ganze Chose reingerät

Heavy Rain wird Kapitelweise erzählt und ist wie ein Film aufgebaut, ihr spielt also nicht einen Charakter nach dem anderen, sondern Szenenbedingt und so wie es "Regisseur" David Cage es vorgesehen hat. So entscheidet ihr selbst wann Werbe- und wann Pinkelpause ist. Das wirkt am Anfang etwas unübersichtlich und zusammengewürfelt, ergibt aber schnell Sinn und man bekommt ein Gefühl für das "interaktive Drama".
Rein Gameplaytechnisch ist der Titel nicht besonders hochwertig, denn es ist quasi ein einziges Quicktime-Event. Bei Actionszenen Reaktionen zeigen, bei Dialogen per Tastendruck das Gespräch lenken. Was daraus erfolgt und weshalb der Titel so genial ist:
Man hat quasi in jeder Situation die Möglichkeit selbst zu entscheiden. Somit werden Szenen entweder übersprungen oder andere freigeschaltet und der Spielverlauf ist bei jedem erneutem Spielen anders.
Beispielsweise wird in einer Szene ein Laden ausgeraubt und ihr steht zufälligerweise genau in diesem Laden. Ihr könnt den Dieb überreden den Laden zu verlassen, ihn umhauen oder sogar angeschossen werden.
Aber vorsicht: Die Charaktere können sterben und bleiben dann den Rest der Geschichte tot. Die restlichen Charaktere bringen dann die Geschichte mit ihren Konsequenzen zu ende.

Und wie spielt sich ein interaktiver Film?


Die Steuerung der Charaktere ist nicht nur "etwas gewöhnungsbedürftig" oder "anders als in anderen Spielen", sie ist schlicht und ergreifend zum kotzen. Auf R2 bewegt sich euer Charakter, und mit dem linken Stick wird die Richtung festgelegt. Klingt gar nicht so kompliziert, in der Praxis ist das aber alles andere als schön, wenn der Charakter zum hundertsten mal an kleinsten Vorsprung stehenbleibt und ihr nicht wisst, warum er sich nicht mehr bewegt.
So lauft ihr zu Beginn erstmal auch planlos im Haus rum und könnt entdecken, in was für einem Detailreichtum sich Quantic Dream verlaufen hat (und das ist nicht negativ gemeint!). Ihr könnt mit sehr vielen Umgebungsgegenständen interagieren, auch viel belangloses wie auf die Uhr sehen, Pinkeln, Spülen, in den Kühlschrank gucken, Musik anmachen etcpp. Der eine mag das als Überflüssig werten, ich finde das aber grossartig.

 

Grafik & Sound


In Sachen Grafik und Optik was Charakteranimation angeht, setzt Heavy Rain neue Maßstäbe. Es wurden echte Schauspieler gecastet und per Motion-Capturing eingefangen, in keinem anderen Spiel sehen die Gesichter der Spielfiguren derart realistisch aus. Der Rest leidet ein wenig, zum Teil sieht der Titel etwas altbacken aus. Autos, Briefkästen und Gärten sehen lieblos und schlecht aus. Das wird aber alles durch die sagenhafte Geschichte, die tiefe der Charaktere und die Atmosphäre wett gemacht. Die englischen Sprecher machen ihre Sache sehr gut, ein Glück das man auch die deutsche Version auf englische Sprachausgabe und deutsche Untertitel schalten kann, denn die deutschen Sprecher sind mal wieder unter aller Kanone.

 

Fazit


Alles in allem ist Heavy Rain der versprochene Thriller für die Konsole, den sich viele gewünscht haben. Ihr könnt prima vor eurer Konsole mitfiebern, mitfühlen, Angst haben, gespannt und geschockt sein. Die Geschichte ist alles andere als filmreif, denn ein Film wird nicht anders verlaufen wenn ihr ihn euch ein zweites mal anseht. Was hier schade ist: So ganz wird das Heavy Rain allerdings auch nicht, obwohl es 22 verschiedene Enden gibt, wird der Killer immer der selbe sein, um da mal einen kanadischen Kollegen zu zitieren:
"What's the Point in playing a Mysterythriller again if i know the Mystery?"
Ganz so hart sehe ich es nicht, aber es sollte trotzdem gesagt sein.

 

Positiv


- Geniale Story
- Tolle Charakteranimation
- Viel Liebe zum Detail
- Englische Sprachausgabe sehr gut
- Entscheidungsfreiheit

Negativ


- teilweise Grafisch etwas altbacken
- Steuerung zum Teil nervig
- Geschmackssache ob man sich mit einem "interaktiven Film" vergnügen möchte


Yannick De Decker
About the author:

...schrie er aus, als sein Blick von seiner immer größer werdenden Filmsammlung zu dem Bildschirm seines Macs schwenkte.

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