Kopenhagen zwischen Tivoli und Amalienborg

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Mit Kopenhagen verbinden immer noch viele die "Kleine Meerfrau", Tivoli und die dänische Königin. Der Bummel durch das Zentrum der großen dänischen Metropole mit immerhin rund 1,6 Millionen Einwohnern führt uns in diesem Bericht zu diesen altbewährten Sehenswürdigkeiten. Natürlich ist nicht immer die Königin selbst zu sehen, aber ihren Sitz, das Schloß Amalienborg mit seinem großen Platz kann man jederzeit anschauen. Außerdem machen wir einen Spaziergang über "Strøget", der 1,8 Kilometer langen Fußgängerzone, und lassen uns in Nyhavn von der pittoresken Atmosphäre des neuerstandenen Hafenviertels umgarnen.

Eine pulsierende Metropole mit Ruhezonen
Eine pulsierende Metropole mit Ruhezonen
Kopenhagen ist anders, ganz anders, soll mit dem übrigen Dänemark eigentlich gar nichts zu tun haben. Und der “Kopenhagener” an sich ahhh= arrogant, unnahbar und introvertiert. Dass “seine” Insel Seeland durch die Große-Belt-Brücke mit Fünen und dadurch mit dem Hauptteil des Landes, Jütland, heute ohne die schützenden Fähren sozusagen für “Jedermann” frei zu erreichen ist, hat damals echtes Unbehagen ausgelöst. Die zweite Brücke über den Örsund nach Schweden wurde seltsamerweise lange nicht so kritisch begleitet, versteht man sich in Kopenhagen doch ohnehin auch immer noch ein bisschen als Hauptstadt Südschwedens.

Oldtime-Jazz verleitet zum swingen
Oldtime-Jazz verleitet zum swingen
Und heute? Nichts hat sich geändert. Kopenhagen ist die quirrlige Großstadt wie eh und je, der man seine unbändige Lebensfreude immer wieder neu ansieht. Wenn man durch die Stadt schlendert, einen plötzlich an einem ansonsten ruhigen Sonntag Morgen Old-Time-Jazz-Klänge erreichen und die Zuhörer mit einer Flasche Bier in der Hand den Rhythmus klopfend fröhlich beisammen auf dem Boden sitzen sieht. Stolz? Unnahbar? Man kann sich einfach dazu gesellen und wird mit freundlichem Nicken begrüßt.

Der Taubenvater auf Strøget
Der Taubenvater auf Strøget
Kopenhagen bleibt trotzdem eine eigenwillige Stadt. Man wird schon mal wütend angehupt, wenn man nicht schnell genug über die Straße gesprungen ist. Morgens versehentlich auf einen Fahrradweg zu treten ist nahezu lebensgefährlich. Da wird geklingelt und auch ruppige Kommentare von sich gegeben ohne auch nur einen Deut die Fahrt abzubremsen.

Das Leben genießen - das versteht man in Kopenhagen
Das Leben genießen - das versteht man in Kopenhagen
Eine Stadt wie Kopenhagen hat natürlich wie andere Großstädte auch viele Gesichter, die der Tagestourist gar nicht auf einmal entdecken kann. Wir nehmen uns hier das Zentrum vor zwischen Tivoli und der königlichen Residenz, dem Schloß Amalienborg. Dieser Teil Kopenhagens ist nahezu unverändert seit Jahrzehnten, während sich die Stadt in vielen anderen Teilen erheblich verändert hat mit der Erschließung der Dockareale und z.B. von Holmen, einem früheren Militärgebiet, auf dem die gigantische neue Oper Kopenhagens errichtet wurde.

Wer Kopenhagen besucht, steuert normalerweise zielstrebig zunächst einmal den (oder “das”) Tivoli, diesen einmaligen Vergnügungspark an, der mit seiner Mischung aus Kultur, Unterhaltung, Attraktionen, Romantik, Abenteuer inmitten der Stadt noch immer unübetroffen ist. Tagsüber kann man mit Kindern stundenlang von einem Vergnügen zum anderen wandern. Ob es das Kindertheater für Kleineren ist oder der Fliegende Teppich und rasende Berg- und Tal Bahnen für größere. Tagsüber ist der Tivoli selbst für die Beschäftigten in der Innenstadt durchaus das Ziel für die Mittagspause. Ich war immer wieder erstaunt, wenn ich bei Geschäftstreffen in Kopenhagen zum Mittagessen in den Tivoli eingeladen wurde. Das war so richtig selbstverständlich und zeigte deutlich, dass die Kopenhagener “ihren” Tivoli in den normalen Tagesablauf integriert haben. Die vielen netten kleinen Restaurants mit ihren gemütlichen Gärtchen davor vermitteln eine so entspannte Atmosphäre, dass das tosende Brausen rund um den Park nicht durchzudringen vermag. Eine richtige Oase inmitten dieser Millionen-Metropole.

Der große Platz im Zentrum der Stadt
Der große Platz im Zentrum der Stadt

Seinen außergewöhnlichen Reiz allerdings entfaltet der Tivoli erst recht am Abend mit seiner Lichterpracht und den mannigfaltigen Veranstaltungen wie Konzerte mit Weltstars, Ballettaufführungen und Theaterstücke, die für viel Abwechslung sorgen und den Tivoli in den Öffnungsmonaten von Mai bis Ende September immer wieder neu zum Anziehungspunkt machen. Es ist die Vielfalt und der Mix an großen und kleinen Vergnügungen. Unübertroffener Spaß aber nach wie vor bleibt, mit den Holzkugeln am das sich drehende Porzellan sozusagen am laufenden Band zu zerdeppern. Der Tivoli ist ein Garten mit einem See darin, darauf eine Fregatte aus der Kolumbus-Zeit. Ein hübscher Platz zum schauen vom hier eingerichteten Restaurant. Und nicht zu vergessen der chinesische Turm, zu dessen Füßen man mit dem Tretboot bis in die Nacht im bunten Lichter-schein seine Runden drehen kann. Für Verliebte und alle anderen.

Verlässt man den Tivoli, dann steht man direkt auf dem Rathausplatz, dem eigentlichen Herz des historischen Kopenhagens. An der rechten Seite sieht man den Drachenspringbrunnen, ein Werk des Künstlers Thorvald Bindesbøll von 1953. Auf der linken Seite auf einer Säule das Lurenbläsermonument. Die “Lure” ist das antike Musikinstrument aus der Wikingerzeit und früher Qualitätszeichen für die weltberühmte dänische Butter..

Pjerrot s ?dritte Position? - Schwarm aller Kinder
Pjerrot s ?dritte Position? - Schwarm aller Kinder
Vom Rathausplatz taucht man ein in “Strøget” auch heute noch eine der längsten Fußgängerzonen Europas mit 1,8 Kilometern. Hier pulsiert das Leben, kleine Boutiquen und Restaurant wechseln sich ab mit weltberühmten Adressen wie Georg Jensen, der Königlichen Pozellanfabrik oder Illums Bolighus. Hier wird geshopt, gespielt, geschaut und flaniert. Urige kleine Geschäfte, die bei uns nur noch selten zu sehen sind, weil sie den genormten Filialen großer Ketten weichen mussten, präsentieren ungewöhnliche Fasaden. Das Angebot ist an Mode ist vielfältig - und teuer. Doch es wird gekauft und vor allem Frauen zeigen sich in modernem Chick.

In den kleinen Nebenstrassen gibt es viele Kunst- und Antikgeschäfte, die meist in Kellerräumen untergebracht sind. Gleich hinter dem Amagertorf liegt in einer Seitenstraße die Nikolaj Kirche aus dem 13. Jahrhundert. Seit vielen Jahren wurde sie umfunktioniert zu einem Austellungszentrum für Kunst. Hier herrscht eine außergewöhnliche Atmosphäre.

Tivoli bei Nacht - mehr als bunte Lichter
Tivoli bei Nacht - mehr als bunte Lichter
Am Ende der Strøget öffnet sich ein großer Platz, der Kongens Nytorf, der neue Platz des Königs, heute einer der innerstädtischen Verkehrsknotenpunkte Kopenhagens. Der Platz zeigt sich vor allem im frühen Morgenlicht eindrucksvoll repräsentativ mit dem schneeweißen Hotel d ´Angleterre, dem Reiterdenkmal von Christian V. und der majestätischen Fasade des Königlichen Theaters.

Der Platz trennt das historische Kopenhagen von Nyhavn, die bunte Vergnügungsmeile am Kanal, ein pittoreskes Hafenviertel. Dem ganz besonderen Charme hier kann man sich nicht entziehen, wenn Feuerschlucker z.B. ihre Künste direkt vor dem Tisch präsentieren, den man sich für einen Imbiss ausgesucht hat. Die jungen und alten Leute sitzen auf den Bohlen des Kanals, trinken ihr Bier aus der Flasche, unterhalten sich oder schauen sich das Treiben an.

Der maritime Charakter wird unterstrichen durch die Oldtimer-Schiffe am Kai entlang. Auf einigen sind kleine Restaurants untergebracht und an der Anlegestelle für die Ausflugsboote für Stadtrundfahrten herrscht reger Verkehr. Nach jahrelangem Verfall hat sich Nyhavn aus den Ruinen erhoben und ist völlig neu erblüht. Im späten Abendlicht spürt man noch ein klein wenig vom verruchten Vergnügungsviertel früherer Zeiten. Einen Sommerabend hier zu verbringen ist ein herrliches Erlebnis. Der Kopenhagener - ist er nun stolz, unnahbar, arrogant? Auch hier ist davon nichts zu merken.

Imposante Gebaude im Lichterglanz
Imposante Gebaude im Lichterglanz
Kopenhagen ohne das königliche Schloß Amalienborg besucht zu haben, eventuell einen Wachwechsel der Garde mitzuerleben, das gehört zu einem ersten Kopenhagenbesuch. Von Nyhavn aus spaziert man dazu am Fähranleger vorbei und am Wasser entlang bis sich der Blick zum großen Schloßensemble öffnet. Die einzelnen Schloßteile sind nicht wirklich bombastisch, ganz der Vorstellung Königin Margrethes entsprechend, eine “Bürgerkönigin” zu sein. Es gibt keine Absperrungen und Jogger laufen am Reiterdenkmal von Frederik V. in der Mittes des achteckigen Platzes ungestört vorbei. Im Hintergrund erhebt sich schon eindrucksvoller die “Frederiks Kirke” mit seiner imposanten Kuppel aus dem 18. Jahrhundert, die vielleicht berühmteste Marmorkirche.

Den Abschluss dieses ersten Kopenhagen-Trips bildet ein kleiner Fußmarsch hinaus zur Langelinie und der weltberühmten “Lille Havfrue” der “Kleinen Meerfrau” auf ihrem steinernen Sockel.

Die ?Kleine Meerfrau? - immer noch Symbol Kopnehagens
Die ?Kleine Meerfrau? - immer noch Symbol Kopnehagens