Pack die Badehose ein, wir fahren nach Afrika! - Yannick's View - FarCry 2 von Ubisoft

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Pack die Badehose ein, wir fahren nach Afrika!

Ubisoft beschert uns nun das lang ersehnte Farcry 2. Ob das die bessere Hälfte vom zweiten Teil des Vorgängers ist, erfahrt ihr in unserem Review.

Ich hätte gerne einmal Schakal ohne Bruce Willis

Frei erkundbare Landschaften und eine offene Spielewelt kennen wir seit Grand Theft Auto 4, S.T.A.L.K.E.R und Spielen wie Oblivion. Auch Farcry 2 reiht sich bei diesen so genannten "Open World"-Games ein. 50 Quadratkilometer gilt es zu erkundschaften, das ist schonmal 'ne Ansage!

So bricht das Spiel auch los: Eine Taxifahrt durch das Szenario! Irgendwie hatte ich mir den Einstieg etwas actionreicher erwartet. Dieser Gedanke verfliegt aber relativ schnell, sobald man erstmal Umgebung und Licht betrachtet hat - da merkt man, dass Farcry 2 doch in der Oberliga spielt!

Der Taxifahrer macht euch derweil mit den politischen Gegebenheiten vertraut, während ihr noch über die Schönheit jenes afrikanischen Landes staunt. Bürgerkrieg, Milizen, alle schiessen aufeinander, keiner weiss wieso. Zwei Parteien: APR und UFLL - kriegen ihre Waffen aber alle von einem Lieferanten: Dem Schakal. Hey... der Schakal! Schonmal gehört? Richtig! Genau wegen dem Kerl seit ihr überhaupt hier. Ihr spielt eine Art Söldner dessen Zielperson "der Schakal" ist. Wen ihr spielt, sucht ihr euch am Anfang aus. Leider musste ich feststellen dass das ganze wenig Sinn macht, denn der einzige Unterschied in den verschieden zur Auswahl stehenden Charakteren ist deren Beschreibung und Foto. Alles andere ist gleich. Relativ überflüssig also, denn ihr begegnet so oder so jedem der Figuren im Spiel wieder.

Was die Mission anfangs erschwert ist, dass unmittelbar nach (oder eigentlich noch während) der Taxifahrt die Malaria euch packt und erstmal gefechtsunfähig macht. So klappt ihr zusammen und kommt wieder zu euch, als genau jener Schakal vor euch steht und euch eine Standpauke hält. Und so purzelt man dann endgültig ins Spiel und darf die ersten Gegner umlegen.

Fame und Cash

 :: FarCry 2

Da steht ihr nun - mitten in Afrika. Und irgendwelche Halbstarken wollen euch erzählen, was ihr zu tun habt. Wenigstens gibts Fame und Cash, in Form von Ruf und Diamanten, für erfüllte Aufträge. Wofür der "Ruf" ist, ist mir nicht klar geworden, aber mit den Klunkern könnt ihr euch neue Waffen bei "Mike's" zulegen, wahlweise im virtuellen Internet bestellen, Waffen upgraden, Safehouses ausbauen etcpp. Schnell bemerkt man, dass auch Farcry 2 leider, leider an den selben Krankheiten wie z.B. (man erlaube mir den Vergleich) "Assassin's Creed" leidet. Anfangs durchaus spassig, aber zu schnell abwechslungslos. Es läuft immer aufs gleich hinaus, fahre nach Ort X, zerstöre/töte/befreie, und fahr wieder zurück. Egal ob das nun von Freunden, Auftraggebern oder Waffenhändlern kommt. Generell ist die Geschichte auch recht lahm erzählt. Keine Cutscenes, wenn dann nur aus Egosicht, Protagonist spricht nicht, die Charaktere sind allesamt nicht gerade "tief", die Präsentation liegt damit deutlich unter Niveau und Potential.

Ich hab Spass, ich geb Gas

 :: FarCry 2

Die ständige Fahrerei ist mir persönlich schon nach 2 Stunden auf den Senkel gegangen. Anfangs zwar noch halbwegs spassig, da es jede Menge Fahrzeuge gibt, die gefahren werden wollen, Fakt bleibt aber leider, dass es einfach sehr zeitaufwändig ist, die ganze Rumgurkerei. Nicht zuletzt, da unser Held alle 2 Minuten aussteigen muss um einen Wachposten zu säubern. Da auch schon das nächste Manko: Fahrt ihr weiter, um eine Kurve, und wieder zurück zum vorherigen Ort der Verwüstung, steht der komplette Wachposten wieder in voller Montur vor euch, als hättet ihr mit Wattebauschen geschmissen. Sehr nervig, weil man sich auch gerne mal vertut bei der Wegfindung. Zwar habt ihr eine Karte und ein Navi im Auto, wo alles schön eingezeichnet ist, trotzdem verfranzt man sich doch häufiger. Naja. Sind ja auch im Dschungel. Nicht in der Grossstadt! Des weiteren sind die Freunde der künstlichen Intelligenz oft bissig und treffsicher. Nur an der besagten Intelligenz hapert es noch ein wenig. Ihr werdet selten verfolgt und seit quasi hinter einem grossen Stein erstmal sicher.

Komm, ich saug das Gift aus deiner Wunde

Das Gameplay an sich ist aber sehr gut gelungen und macht Spass beim spielen und zuschauen. Ganz gross gestaunt habe ich, als ich das erste mal eine Ladehemmung hatte und mir die rostige Knarre voll um die Ohren geflogen ist. Toll! Nicht nur, dass die Waffen der Gegner, oder welche, die schon länger irgendwo rumliegen total abgeranzt und verrostet aussehen, nein nein. Da bleibt auch gerne mal eine Patronenhülse in der Schrotflinte stecken. Da hilft nur eins: Draufkloppen und mit Gewalt das Scheissding wieder da reinhämmern. Aber, wie ihr euch sicherlich denken könnt, seid ihr dann ein gutes Ziel, das temporär nicht zurückschiesst. Wer dann mal kritisch verwundet wird, sollte sich schleunigst in Deckung befördern und beispielsweise mit seinem Leatherman eine Kugel aus Bein oder Hand rausziehen. L2 drücken und ihr dürft einen echten Indianer (schmerzlos und so!) bei der selbst-Verarztung bewundern! Toll!

 :: FarCry 2

Wenns dann doch mal hart auf hart kommt, kann euch allerdings ein gewonnener Freund (die anderen Charaktere, die man bei der Auswahl vor Spielbeginn links liegen hat lassen) immer noch auf die Beine helfen. Wenn man dann tatsächlich mal sterben sollte, muss man doch längere Ladezeiten in Kauf nehmen. Trotz der 3,5GB Installations-Kontent. Ja, es wird viel und lange geladen. Auch im Multiplayer.



Hurra! Ein Karteneditor!

Der Multiplayer-part von Farcry 2 macht eigentlich alles richtig, kann sich aber nicht gegen Konkurrenten durchsetzen. Die üblichen Modi, Deathmatch, Team Deathmatch, Capture the Flag und einen "Aufstand" Modus, der stark an Domination erinnert. Es gibt ein kleines Punktesystem wodurch ihr neue Waffen und deren Verbesserungen freischalten könnt, das hält einen noch ein bischen bei Laune. Was aber wirklich grandios ist, ist der Karten-Editor. Ihr könnt eigene Karten erstellen und diese der Community zur Verfügung stellen. Der Editor ist leicht zu bedienen und so kann man sich schnell sehr tolle Karten bauen, die denen der Entwickler in nichts nachstehen. Allerdings können diese erstellten Maps nur in privaten Spielen gespielt werden. Schade! Insgesamt läuft das Onlinespiel solide, keine slowdowns, lags oder sonstiges. Die Bedienung um ihn ein Spiel reinzukommen ist etwas ungewöhnlich und frustrierend, weil man manchmal 15 Anfragen sendet und erst ins 16. Spiel kommt. Aber das kann man verschmerzen.

Grafik & Sound

Ah! Was für ein Erlebnis! Was für ein sagenhafter Sound! Grossartig! Hier hat Ubisoft wirklich ganze Arbeit geleistet. Der Umgebungssound ist genial, die Waffen klingen wuchtig und überzeugend, das 5.1-Erlebnis ist surround pur, die atmosphärische, afrikanisch angehauchte Musik ist super und setzt an den besten Stellen ein. Ein Ohrenschmaus! Leider wurde in der deutschsprachigen Fassung auf eine englische Sprachausgabe verzichtet, aber die deutschen Synchronsprecher machen ihre Sache wirklich ganz gut. Der optische Teil wurde ja schon vorhin kurz angeschnitten. Das Spiel sieht wirklich gut aus! Bäume, Zebras, Waffen, Gegner, Häuser, alles passt zusammen und sieht sehr schön aus. Was aber der eigentliche "Aha-Effekt" ist: Die Licht- und Wettereffekte. Die machen die ganze Grafik überhaupt so genial. Das Licht fällt dynamisch, wenn man von draussen in einen dunklen Raum kommt, müssen sich die Augen erst an die Dunkelheit gewöhnen, Tags, nachts, Explosionen, Feuer (Oh verdammt, das Feuer!) es ist atemberaubend. Ich persönlich bin ein bischen angesäuert, dass die PS3 nur 720p bringt, wobei auf der Xbox und dem PC das Spiel auch in 1080p läuft, aber man kann ja nicht alles haben.

Fazit

Abschliessend kann man sagen, Farcry 2 ist zwar nicht der versprochene Superhit, aber ein solider Actiontitel mit gewissen Schwächen im Singleplayer-Bereich. Die langweilige Präsentation und die ewig sich wiederholenden Missionen, gepaart mit immer neu respawnenden Gegnern sind leider keine Pluspunkte. Auch wenn der Umfang mit ca. 25 Stunden Spielzeit enorm überdurchschnittlich ist! Was bleibt ist eine Supergrafik, ein Spitzensound, ein genialer Karteneditor und ein guter Onlinemodus. Für Fans sei noch schnell gesagt: Der 2. Teil hat rein gar nichts mehr mit dem ersten zu tun.

Plus

  • Sehr grosse, begehbare Spielwelt
  • Überdurchschnittlicher Umfang
  • Grosses Waffenarsenal
  • Tolle Grafik
  • Noch bessere Effekte
  • Super Sound
  • Karteneditor
  • Endlich mal ein neues Szenario

Minus

  • Lahme Präsentation
  • Unmotivierende Story
  • Missionen wiederholen sich
  • Zu viel Fahrerei
  • Neu spawnende Gegner
  • Lange Ladezeiten

Yannick De Decker
About the author:

...schrie er aus, als sein Blick von seiner immer größer werdenden Filmsammlung zu dem Bildschirm seines Macs schwenkte.

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