Mazda Design Workshop 2008

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1. Die Welt des Mazda Designs

2. Nagare – Eine neue Designsprache

3. Menschen bei Mazda: Die Seele von Mazda

4. Design-Preise für Mazda Konzeptfahrzeuge

1. Die Welt des Mazda Designs

Die Design-DNA von Mazda

Um eine neue optische Identität für Mazda zu schaffen, mussten Laurens van den Acker und sein Team wichtige Kernwerte der Marke und des Markenerbes zu zukünftiger Design-DNA verdichten. Was aber ist überhaupt Design-DNA?

So wie die menschliche DNA den genetischen Code eines Menschen enthält, so bezeichnet die Design-DNA jene grundlegenden Komponenten, die ein Fahrzeug unverwechselbar machen. Sie stellt sicher, dass ein Fahrzeug optische Charakteristika mit anderen Fahrzeugen der gleichen Familie teilt und sich zugleich von anderen Marken und Produkten unterscheidet. Es sind die optischen Merkmale, die eine Familie von Fahrzeugen verbindet – in diesem Fall das, was einen Mazda wie einen Mazda aussehen lässt.

Üblicherweise gehören zu diesen Komponenten Aussehen und Form des Kühlergrills, die Dachlinie, die Form der Frontscheinwerfer und die Gestaltung der Rückleuchten. Auch eine Blechfalte in der Karosserie, die Form eines Fensters oder ein ungewöhnliches Rad-Design kann die Markenzugehörigkeit eines Fahrzeugs belegen. Bei fachmännischer und gewissenhafter Ausführung sollte die Kombination dieser wesentlichen Bestandteile zu einer Vielzahl einzigartiger und unverwechselbarer neuer Fahrzeuge führen. Ziel ist es, eine Familie schöner Fahrzeuge zu schaffen, die alle für sich genommen unterschiedlich und doch als Mazda zu erkennen sind.

Fahrzeugdesign: Ein ganzheitlicher Prozess von der Konzeption bis zur Ausführung

Die Entwicklung von Konzeptfahrzeugen spielt für Mazda eine zentrale Rolle bei der Verbesserung des Images beim Kunden und ist eine wichtige Möglichkeit, Ideen zu kommunizieren und Kundenreaktionen zu testen.

Die Ursprünge eines Konzeptfahrzeugs liegen allerdings selten ausschließlich in einem Designstudio. Meistens beginnt die Entwicklung mit frühen Meetings der Advanced Product Strategy (APS)-Strategieteams. Dort treffen sich Designer, Ingenieure und Marketingexperten, erforschen neue und entstehende Lifestyle-Trends und untersuchen die künftige Entwicklung in der Automobilbranche. Daraus werden die Marktbedürfnisse und die potenziellen Chancen eines Konzeptfahrzeugs abgeleitet. Dazu werden Kunden in ihren alltäglichen Umgang mit ihrem Fahrzeug beobachtet und es wird dokumentiert, was sie über ihr Auto denken. In Kombination mit Marktdaten, die über das Kaufverhalten Aufschluss geben, ist das APS-Team in der Lage, die Marktchancen künftiger Fahrzeuge zu ermitteln. An diesem Punkt kann eine Design- und Entwicklungsstrategie für das Fahrzeug festgelegt werden; dabei wird sichergestellt, dass das Modell zum Kern der Marke Mazda passt und das angestrebte strategische Ziel erfüllt. Diese Punkte werden in einem umfangreichen Design-Auftrag festgeschrieben.

Die Zusammenarbeit von Ingenieuren, Produktplanern und Designern verbessert den Prozess der Designentwicklung. Nachdem die Designziele festgelegt wurden, arbeiten die Designer mit Packaging-Ingenieuren zusammen, um das Fahrzeugkonzept zu entwickeln und sicherzustellen, dass es die Bedürfnisse der Zielkunden erfüllt. Die Designer fertigen erste Skizzen für das mögliche Konzeptfahrzeug an. Dieses Stadium nennt sich „Concept Generation“. Die Designer können frei arbeiten und mit einfallsreichen Skizzen eine Vielzahl von Ideen einschließlich der Proportionen, Formen, Grafiken und Oberflächenstrukturen ausprobieren. Dabei berücksichtigen die Designer die von den Ingenieuren festgelegten Vorgaben des Packaging und der festen Punkte eines Fahrzeugs: das Fahrzeugchassis und den Antriebsstrang. Ist das Design einmal festgelegt, werden weitere Skizzen aus verschiedenen Blickwinkeln sowie von Interieur- und Exterieur-Details angefertigt. Von diesem Zeitpunkt an beginnt die Erstellung von Tonmodellen. Durch den Einsatz digitaler Designtechniken mit Hilfe des Computers können verschiedene Ansichten des Konzeptfahrzeugs in unterschiedlichen Umgebungen bei verschiedenen Lichtverhältnissen erstellt werden.

Interieur-Designer beginnen mit ernsthaften Entwürfen für die Innenraum-Gestaltung und arbeiten eng mit Spezialisten für Farben und Materialien zusammen, die Stimmungstafeln (mood boards) und Farbpaletten anfertigen und dabei interessante Strukturen und Oberflächen entwickeln. Auch hier können durch den Einsatz digitaler Hilfsmittel dreidimensionale Ansichten erstellt werden.  

Jetzt werden Prototyp-Komponenten von Interieur und Exterieur für das spätere Konzeptfahrzeug entwickelt. Das Fahrzeug wird üblicherweise im Designstudio hergestellt, kann aber auch von einem externen Konzeptfahrzeug- und Prototyp-Zulieferer gebaut werden.

Der Entwicklungsprozess umfasst Hunderte von Schritten, um eine dreidimensionale und vorgabengetreue Umsetzung der Skizzen der Fahrzeugdesigner zu gewährleisten. Bei Konzeptfahrzeugen dauert dieser Prozess in der Regel zwölf bis 18 Monate. Sollte das Konzept in Serie gehen, kann es bis zu fünf Jahre dauern, bis das Fahrzeug in den Schauräumen der Händler steht.

Wie man ein Fahrzeug designt: Neun Schritte

Automobildesign beginnt fast immer mit einer Skizze. Auch wenn verschiedene Perspektiven gewählt werden können, ist die Ein-Punkt-Perspektive am einfachsten zu beherrschen und am schnellsten auszuführen. Fast alle Designer beginnen daher damit.

Schritt 1: Das Fundament

Nehmen Sie einen Stift und zeichnen Sie eine Basislinie, legen die Position der Räder fest und zeichnen die Schulterlinie. Zeichnen Sie nur leichte Linien, damit Sie Dinge verändern und Fehler korrigieren können, ohne von Neuem beginnen zu müssen.

Schritt 2: Grobe Proportionen

Stecken Sie die groben Proportionen des Fahrzeugs ab, indem Sie eine zentrale Linie und die Fensteröffnungen festlegen.

Schritt 3: Festlegen des Karosserieaufbaus

Skizzieren Sie den Karosserieaufbau des Fahrzeugs vom hinteren Stoßfänger über das Dach bis hinunter zum vorderen Stoßfänger. Beachten Sie: Je geringer der Abstand zwischen Dach und zentraler Linie ist, desto kleiner fällt die Wölbung aus.

Schritt 4: Details hinzufügen

Wenn Sie mit Form und Proportionen Ihres Fahrzeugs zufrieden sind, können Sie damit beginnen, Details wie Stoßfänger, Scheinwerfer und Räder hinzuzufügen.

Schritt 5: Details sichern

Dies ist der letzte Schritt vor dem Hinzufügen von Farben. Wenn Sie mit Ihrem Fahrzeug zufrieden sind, können Sie weitere Details wie etwa Oberflächenstrukturen und Raddesign hinzufügen.

Schritt 6: Schatten und Licht hinzufügen

Jetzt können Sie beginnen, mit einem Markierstift an Fenstern und Rädern einige Schattierungen hinzuzufügen. Indem Sie die Vorderräder etwas dunkler als die Hinterräder gestalten, rufen Sie den Eindruck von Bewegung hervor.

Schritt 7: Horizont und Szenerie

Jetzt brauchen Sie ein wenig Mut. Nehmen Sie einen farbigen Markierstift, um die Reflexionen des Lichts in den Fenstern und auf der Karosserieoberfläche darzustellen. Stellen Sie sich vor, wo sich die Horizontlinie hinter Ihnen befindet und wie sie von der Oberfläche des Fahrzeugs reflektiert werden könnte.

Schritt 8: Farben hinzufügen

Fügen Sie mit einem Markierstift oder einem Pastellstift Farbe über die gesamte Fahrzeuglänge hinzu, mit der Ausrichtung genau unterhalb der Schulterlinie. Die gewählte Farbe sollte mit dem vorher verwendeten Markierstift identisch sein.

Schritt 9: Sauber machen

Dies ist der letzte Schritt. Versuchen Sie alle Oberflächen zu bestimmen, die nach oben zeigen. Sollten Sie diese versehentlich gefärbt haben, dann nehmen Sie einen Radierer und entfernen die Farbe. Das ist die beste Möglichkeit, um einen dreidimensionalen Eindruck hervorzurufen.

Mazda Design: Vom Konzept bis zur Produktion

In den meisten Fällen geben Konzeptfahrzeuge einen Ausblick auf Design-Merkmale künftiger Serienmodelle. Hier zwei Beispiele einer solchen Entwicklung.

Vom Ibuki Concept zum Mazda MX-5 der dritten Generation:

Inspiriert von Front und Form des ersten Mazda MX-5 aus dem Jahr 1990, präsentierte Mazda auf der Tokyo Motor Show 2004 das markante Konzeptfahrzeug Ibuki. Der Name bedeutet „Neue Energie einhauchen“ und wies bereits auf das Geheimnis des Konzeptfahrzeugs hin: Es war tatsächlich der neue MX-5, während die Presse anfangs noch skeptisch war. In der Tat wurde das überall am Ibuki auftauchende eiförmige Designmotiv zum Leitmotto der dritten Modellgeneration des Mazda MX-5, die auf dem Genfer Automobilsalon 2005 vorgestellt wurde. Die eiförmigen Scheinwerfer und die betonten Wölbungen sowie die sauberen und klaren Oberflächen fanden sich alle am Serienfahrzeug wieder. Auch innen übernahm der MX-5 einige Elemente des Ibuki Designs, darunter das Dreispeichen-Lenkrad, die eiförmige Mittelkonsole, den starken Mitteltunnel und rechtwinklige Türgriffe. 

Mehr noch: Für das Ibuki Konzeptfahrzeug versetzte Mazda den gesamten Antrieb weiter nach hinten und nach unten, um den Schwerpunkt des Fahrzeugs nach unten und näher an die Fahrzeugmitte zu verlegen. Ziel war es, die ideale Gewichtsverteilung von 50 zu 50 beizubehalten und das Handling zu verbessern. Daher hatte das Konzeptfahrzeug ungewöhnlich kurze Überhänge und war rund 30 Zentimeter kürzer als das aktuelle Serienmodell des MX-5. Als der MX-5 dann auf den Markt kam, zeigte er tatsächlich kürzere Überhänge und bot ein verbessertes Handling.

Vom Sassou Concept zum Mazda2 der zweiten Generation:

Der auf der IAA in Frankfurt 2005 vorgestellte Mazda Sassou gab einen Ausblick auf das Design eines künftigen Kleinwagens von Mazda. Gezeichnet im Mazda Design-zentrum in Oberursel, sollte das Konzeptfahrzeug vor allem auf junge Erstkäufer attraktiv wirken und in Erfahrung bringen, welche neuen Technologien sich junge Leute von einem Fahrzeug erwarten. Als ein Ergebnis dieser Überlegungen basierte der Innenraum des Sassou auf einem Konzept der „Illumination“ und verfolgte ein Ideal der interaktiven Verbindungsfähigkeit: Auf einem USB-Stick verwahrte der Fahrer alle persönlichen Einstellungen für Fahrzeug und Unterhaltungssystem.

Während der Innenraum viel zum Erfolg des Konzeptfahrzeugs beigetragen hat, war es das Außendesign, das den Blick auf die neue Modellgeneration des Mazda2 freigab. Der Sassou enthielt bereits viele Design-Elemente, die schließlich auch den Mazda2 in seiner Serienversion zieren würden: die gesamte Form, die Karosseriekanten sowie die auf den RX-8 verweisende Frontpartie mit dem großen und sportlichen Fünf-Punkt-Grill.

Mazda Advanced Design: Ideenfluss zwischen vier internationalen Designstudios

Die Verantwortung für die weltweit erfolgreiche Einführung des Mazda Designs liegt in den Händen von vier globalen Designstudios in Irvine/Kalifornien, Oberursel bei Frankfurt sowie den beiden japanischen Standorten Yokohama und Hiroshima. Alle Studios werden von Laurens van den Acker geleitet. Schon allein in Fragen der Kommunikation ist das eine unglaubliche Herausforderung. Da der Schreibtisch von Laurens van den Acker in der Konzernzentrale in Hiroshima steht, verbringt er viel Zeit damit, von einem Studio zum anderen zu reisen.

Alle vier Studios besitzen eine zentrale Funktion bei der Lieferung neuer Ideen für künftige Designrichtungen. Jedes Studio konzentriert sich dabei auf die Gestaltung von Produkten für die jeweiligen lokalen Märkte. In Irvine arbeitet das Team des North American Design Studios unter der Leitung von Franz von Holzhausen an Fahrzeugen und Konzepten für Nordamerika. In Oberursel konzentrieren sich Peter Birtwhistle und seine Mitarbeiter auf Fahrzeuge für Europa. Am Standort Yokohama werden unter der Leitung von Atsuhiko Yamada Produkte für die asiatischen Märkte gestaltet – zusammen mit der Designzentrale in Hiroshima, die die globale Designstrategie koordiniert.

Die Wirklichkeit ist allerdings viel komplexer: Produkte stammen aus einer geographischen Region und werden in einer anderen Region vertrieben und sind häufig für mehr als einen Markt bestimmt. Daher ist jedes Studio global aufgestellt und verfügt zugleich über eine besondere lokale Kompetenz. Dies führt zu einem überaus gesunden und fruchtbaren Wettbewerb der Ideen im globalen Designteam, der mit großer Offenheit geführt wird, um effiziente Arbeitsprozesse zu gewährleisten.

Jedes Studio ist in drei verschiedenen Bereichen tätig: Es kreiert Konzeptfahrzeuge, fertigt Serienmodelle und entwickelt ein besseres Verständnis dafür, wie künftige Mazda Fahrzeuge zu verbessern sind. Alle drei Aspekte haben unmittelbar mit Design zu tun. Aber der dritte Bereich ist der wichtigste, denn dort wird die Frage gestellt: „In welche Richtung wollen wir gehen, und was brauchen wir, um dort anzukommen?“ Dieser dritte Bereich hat normalerweise den stärksten Einfluss auf Fahrzeugarchitektur und Packaging. Er beginnt mit einer Philosophie und führt zu grundlegenden Fragen wie beispielsweise „Wie und woraus bauen wir diese Fahrzeuge?“

Das Designstudio, das in unmittelbarer Nähe zu Vorentwicklern und Produktplanern angesiedelt ist, beschäftigt sich in der Regel die meiste Zeit mit der Frage, wie und wo man ein Fahrzeug produziert. Dadurch kann das Erstellen von Konzepten und andere experimentelle Arbeit untergeordneten Studios überlassen werden. Dort können Fragen gestellt werden, an die in den Designzentralen bis dahin vielleicht noch nicht einmal gedacht wurde. Unter van den Acker wird jedes Studio dazu ermutigt, ohne Beschränkungen zu denken, Vorstellungen weiterzuentwickeln und künftige Ideen und Konzepte zu erkunden.

2. Nagare – Eine neue Designsprache

Zoom-Zoom: Die physische Interpretation des Mazda Markenerbes

Mit dem Nagare enthüllte Mazda auf der Los Angeles Motor Show 2006 ein Konzept-fahrzeug, das seinesgleichen suchte. Die Formensprache aus strukturierten Oberflächenlinien und einer dramatischen futuristischen Keilform hatte man bis dahin noch bei keinem Konzeptfahrzeug gesehen. Zunächst schien der Nagare eine grundlegende Veränderung zu dem unmittelbar vorher präsentierten Konzept-Trio Sas-sou, Senku und Kabura zu markieren, und nicht einmal das Mazda Designteam ahnte voraus, welche Wirkung die neue Designphilosophie rund um die Welt entfalten würde.

Das Trio dieser preisgekrönten Konzeptfahrzeuge* hatte zuvor das Publikum auf weltweiten Automobilmessen der Jahre 2005 und 2006 begeistert. Mazda bekannte sich damit auf neue und energiegeladene Weise zu aufregendem zeitgenössischem Automobildesign. Doch die Einführung des Nagare änderte alles. Eine solch einschneidende Einführung kann sich ein Automobilhersteller nur wünschen.

Doch was war der Grund für eine solch grundlegende Änderung, wo die jüngsten Konzeptfahrzeuge doch so erfolgreich gewesen waren? Franz von Holzhausen, Design Direktor für Mazda North America, erläutert: „Mazda hat eine starke Produktpalette. Doch für die Zukunft der Marke Mazda wollten wir eine neue Designsprache schaffen, die den Fahrzeugen zusätzliche Emotionalität verleiht, so wie Zoom-Zoom für eine zusätzliche Emotionalität steht, wenn die Fahrzeuge in Bewegung sind. Mit den drei Konzeptfahrzeugen loteten wir Ideen aus, die Teil der Designphilosophie des „Fließens“ wurden. Nagare entstand aus diesen Konzeptfahrzeugen, als Laurens uns ermutigte, noch weiter zu denken als bisher.“

* Der Mazda Senku wurde mit dem Grand Prix du Plus Beau Concept Car beim 21. Festival Automobile International 2006 in Paris ausgezeichnet. Der Kabura gewann den „Aesthetic and Innovation Award“ auf der Detroit Motor Show.

Die Marken-DNA, die für alle Mazda Fahrzeuge gilt, kann mit einer Reihe von Eigenschaften beschrieben werden: Zoom-Zoom, jung, stylish, lebendig, einfühlsam, Emotion in Bewegung, innovativ. Alle diese Adjektive sind über die Jahre zu festen Charakteristika der Marke Mazda geworden, weil Mazda Fahrzeuge seit langem für ihre außergewöhnliche Funktionalität, ausgezeichnete Handhabung und beste Fahreigenschaften geschätzt werden.

„Wir fragten uns, ob all diese Eigenschaften wirklich durch das Design adäquat zum Ausdruck kommen“,

sagt Franz von Holzhausen.

„Unsere Fahrzeuge waren fahrdynamisch gesehen großartig, und die Proportionen stimmten, aber wir hatten das Gefühl, dass man an der Optik arbeiten müsse. Es ist schon jetzt Zeit, das Design von morgen vorzubereiten. Die Nagare Konzeptfahrzeuge weisen den Weg.“


Das Designteam machte sich daran, etwas Neues und Frisches zu entdecken und eine Ästhetik zu entwickeln, die Mazda auf optische Weise beschreibt und definiert. Unter der Leitung von Laurens van den Acker war das Designteam herausgefordert, den durch Zoom-Zoom verkörperten Geist der Marke einzufangen. Wesentliche Eigenschaften der Marke sollten dabei im Design von Mazda Fahrzeugen zum Ausdruck gebracht werden, auch wenn die Fahrzeuge sich nicht von der Stelle rühren. Das Ergebnis war Nagare oder „Fluss“, eine komplett neue Designsprache für Mazda Fahrzeuge.

Wie man einen Mazda designt: Linien und Elemente, die einen Mazda ausmachen

Die Formensprache Nagare (Fluss) besteht aus vielen Designelementen, die ein Mazda Fahrzeug definieren. Das Auffälligste ist die Gestaltung der Oberfläche, mit der Ströme von Luft oder Flüssigkeiten über die Fahrzeugoberfläche dargestellt werden. Dies ist ein Bestandteil aller Nagare-Konzeptfahrzeuge. Die Karosserieoberflächen spiegeln durch ihre Struktur das Licht, als ob das Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit fährt, und deuten so die dynamischen Eigenschaften des Fahrzeugs an. Je nach Typ und individueller Form des Konzeptfahrzeugs fallen diese Oberflächen unterschiedlich, aber stets angemessen aus.

Ein weiteres klares und wichtiges Designmerkmal ist der Fünf-Punkt-Kühlergrill, der zwar je nach Fahrzeug unterschiedlich aussieht, aber stets einen hohen Wiedererkennungswert für die Marke besitzt. Die exakte Form des Grills hängt von der Gesamtgestaltung der Frontpartie ab. Andere Elemente sind die Motorhaube, die ausgeformten Radhäuser im Stil des RX-8 sowie die Gestaltung von Scheinwerfern und Rückleuchten. Diese Komponenten sind zusammen mit der Keilform des Fahrzeugs wesentliche Bestandteile der Nagare-Formensprache.

Interieur-Design: Die Zukunft der Innenraum-Gestaltung bei Mazda

Bis jetzt lag der Fokus der Nagare-Formensprache auf der Weiterentwicklung des Außen-Designs. Dies lässt sich an der Reihe der fünf Konzeptfahrzeuge ablesen. Doch nun beschäftigt die Designer immer mehr die Frage, wie Nagare im Interieur künftiger Mazda Modelle zum Ausdruck gebracht werden kann. Laurens van den Acker:

„Das Interieur verlangt nach einer anderen Herangehensweise. Der Innenraum ist ein Sammelsurium unterschiedlicher Dinge. Wir verfolgen beim Innenraum-Design daher eine ganzheitliche Philosophie und streben nach einer ausgereiften Formensprache.“


„Die Entwicklung des Interieurs beschäftigt sich mit drei Schlüsselbereichen: Fahrerorientierung, Leichtigkeit – sehr wichtig für Mazda – und Fluss. Die Kombination dieser drei Aspekte wird unsere Innenräume einzigartig und unsere Fahrzeuge unverkennbar zu Mazda Modellen machen. Andere Marken bieten sicherlich auch Fahrerorientierung und streben nach Leichtigkeit. Doch erst Nagare in Verbindung mit den anderen beiden Elementen definiert Mazda. Ziel ist es, für das Interieur eine Design-DNA zu entwickeln, die mit der DNA für das Außendesign künftiger Mazda Modelle übereinstimmt, um einen konsequenten Interieur-Stil für die Mazda Modellpalette der Zukunft zu kreieren.

Fahrerorientierung ist das Schlüsselmerkmal, denn jedes Mazda Modell trägt die Seele eines Sportwagens in sich. Dies ist ein zentrales Charakteristikum der Marke Mazda. Das zweite Merkmal ergibt sich durch die intellektuelle Auslegung des Begriffs Leichtigkeit als einen zukünftigen Markenwert.

Laurens van den Acker zufolge gehören vier Aspekte zu dieser Leichtigkeit: „Das erste Ziel ist es, eine optische Leichtigkeit zu erreichen. Dinge sollen leicht aussehen. Wir können das durch fließende Oberflächen, dünn aussehende Formen, Öffnungen etc. verwirklichen. Der zweite Aspekt ist physische Leichtigkeit. Die Bauteile und Komponenten im Innenraum müssen so leichtgewichtig wie möglich sein. Der dritte Punkt ist der mentale Aspekt der Leichtigkeit. Schließlich wollen wir nicht bierernst wirken, sondern jugendlich und mit einem Augenzwinkern. Der vierte Aspekt schließlich ist die nachhaltige Leichtigkeit und die Frage nach der Umwelt. Dabei spielen der verantwortungsvolle Umgang mit Materialien und Prozessen sowie Wiederverwertung und andere Aspekte eine wichtige Rolle.“

Diese Philosophie der Leichtigkeit ist außerordentlich weitsichtig. Van den Acker glaubt, dass in einer zunehmend aufreibenden Welt unsere Fähigkeit, die Fahrt in einem Mazda zu genießen, mindestens ebenso von der Reinheit und Klarheit der Interieur-Gestaltung abhängt wie von den Fahreigenschaften. In Sachen Leichtigkeit bedeutet Nagare auch: weniger Dichte, weniger emotionaler Abfluss, weniger optische Statik. „Es geht auch darum, nicht durch zuviel Informationen gestört zu werden und nur dann mit Informationen versorgt zu werden, wenn man sie benötigt. Wir brauchen weniger statt mehr. Unsere Innenräume werden sehr einfach aussehen und nur wenige Bereiche der Information und Technologie aufweisen. Das ultimative Ziel ist ein von Nagare gestaltetes Interieur, das beruhigend und friedlich wirkt.“

Die Nagare InnenraumPhilosophie ist frei von Anspannung. Sie ist ebenso zentral für die neue Mazda Designsprache wie die Oberflächenstrukturen des Exterieurs.

Farben & Trim: Der innovative Einsatz neuer Materialien

Die Umsetzung der optischen Leichtigkeit im Interieur, die Laurens van den Acker vorschwebt, hängt untrennbar mit einer neuen und innovativen Art und Weise des Einsatzes von Materialien ab. Das Mazda Designteam entwickelt mit Hochdruck eine revolutionäre Methode für die Auswahl von Formen und Materialien für Interieur und Exterieur. Einfache, in Ausgestaltung und Funktion fließende Formen erfordern einen grundlegend neuen Ansatz des Interieur-Designs und erfordern dabei womöglich auch komplexe Fertigungstechniken. Konventionelle, voneinander getrennte Komponenten des Interieurs, die ineinander fließen – wie etwa die Instrumententafel, die in die Mittelkonsole und weiter in die Vordersitze übergeht -, während funktionelle und technische Bauteile wie die Klimaanlage und Audiosysteme integriert werden müssen: Dies alles erfordert eine Revolution der Formgebung und der Herstellung.

Mazda entwickelt fortschrittliche Materialien, mit denen das Unternehmen seiner Umweltverantwortung gerecht wird. Im Konzeptfahrzeug Taiki werden bereits Biokunststoffe eingesetzt, die weniger CO2 produzieren als herkömmliche Kunststoffe. Diese und andere Materialien sollen künftig auch in Serienfahrzeugen eingesetzt werden. Zugleich sollen funktionale Einfachheit und ergonomische Klarheit aufrechterhalten und ein insassenfreundliches, sinnliches und ruhiges Interieur geschaffen werden. Das Meistern dieser Herausforderung hängt vom innovativen Gebrauch von Farben und Materialien ab, wie Laurens van den Acker erläutert:

„Wir fangen gerade erst an, in „Nagare“ zu denken. Das bedeutet, zu denken, wie aus einer Instrumententafel ein Sitz werden kann – wie im Taiki – oder wie Fahrerinformationen in das Fahrzeug strömen und wie dieser Informationsfluss geordnet werden kann. Statt eine Schreibmaschine zu entwickeln, bei der jede Taste eine Funktion besitzt, versuchen wir alle Funktionen miteinander zu verbinden. In der Realität hängt ohnehin alles mit allem zusammen. Nagare schafft durch den Einsatz von Farben und Materialien eine emotionale und optische Verbindung.

Der Designprozess von Mazda: Die Verbindung von Kunst und Wissenschaft

„Vor 20 Jahren wäre das Mazda Design aus technologischer Sicht noch gar nicht möglich gewesen“,

sagt Peter Birtwhistle, Chefdesigner von Mazda Europe.

„Selbst die geschicktesten Ton-Modellierer hätten die Komplexität und die Feinheiten der Oberflächen nicht per Hand umsetzen können.“

 

Üblicherweise zeichnet im Designprozess ein Fahrzeugdesigner Skizzen des Fahrzeugs und fertigt danach ein kleines Tonmodell an. In der Phase der Genehmigung geht man dann zu größeren Tonmodellen über, bevor hoch qualifizierte Modellierer an Tonmodellen im Maßstab 1:1 arbeiten, um nahezu realistische Fahrzeuge herzustellen. Diese Methode ist für Generationen von Fahrzeugen angewandt worden. Doch in den letzten Jahren hat die Integration digitaler Designmethoden zu einer Änderung in der Fahrzeugentwicklung geführt. Wenngleich die exakten Schritte von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich sind, werden Autos zunehmend mit Hilfe digitaler Designsoftware am Computer gezeichnet. Letztendlich errechnet diese Software dreidimensionale mathematische Formendaten auf Grundlage einer zweidimensionalen Zeichnung. Dabei werden technische Informationen über bestehende Bauteile wie Chassis und Antriebsstrang – die sogenannten „hard points“ – berücksichtigt, um ein realistisches 3D-Modell zu erstellen, ohne dass auch nur ein zeitraubendes Tonmodell geschaffen werden muss. Auf Grundlage dieser Daten fertigt eine mehrachsige Fräsmaschine dann eine lebensgroße Ton-Nachbildung des Fahrzeugs, die die exakten Komplexitäten des Original-Designs aufweist. Schließlich können die Daten auch für die Herstellung von Fahrzeugbauteilen und Werkzeugformen für den Produktionsprozess verwendet werden.


Das Designen und saubere, klare Herstellen komplexer Oberflächenstrukturen ist heute nur mit digitaler Hilfe möglich. Die Integration des computerunterstützten Designs und das ungewöhnlich hohe technische Verständnis der Designer hat Mazda die Fähigkeiten verliehen, neue Design-Ideen zu verwirklichen und auf den Markt zu bringen. „Wenn man es auf die einfachsten Formen herunter bricht, ist es nicht viel komplizierter als die gegenwärtige Konstruktion“, sagt Franz von Holzhausen, „aber die Produzierbarkeit der Strukturen ist entscheidend, denn diese Strukturen sind für Mazda ein charakteristisches Design-Merkmal.“

 

„Jedes Konzeptfahrzeug, das wir gefertigt haben, war ein Lernprozess“,

sagt Laurens van den Acker.

„Wir haben mit einigen der abenteuerlustigsten Ingenieure gearbeitet. Diese Form der Innovation hat eine lange Tradition bei Mazda. Für Designer ist es ein Traum, mit solchen Ingenieuren zusammenarbeiten zu können. Wir müssen sehr eng mit den Technikern und den Lieferanten kooperieren. Jeder muss dabei mit von der Partie sein.“

 

Die Geschichte und Bedeutung des „Fließens“: Die Nagare-Generation

Nach zahllosen Brainstormings, vielen Zeichnungen, Forschungen und Machbarkeitsstudien war die Nagare-Designsprache geboren: in Form des Konzeptfahrzeugs Nagare. Doch wo kam sie her und wie hat sie sich entwickelt?

Das Designteam nahm seine Arbeit auf, indem es sich mit den dynamischen Eigenschaften von Mazda Fahrzeugen beschäftigte. Nichts charakterisiert Mazda besser als „Emotion in Bewegung“ („emotion in motion“): Mazdas Bekenntnis zu Fahrzeugen, die die kindliche Freude durch den reinen Spaß am Autofahren vermitteln. In stundenlangen Diskussionen einigte sich das Designteam darauf, dass Mazda Fahrzeuge schon im Stand jene Emotion und Dynamik verdienen, die sie in Bewegung ausstrahlen.

„Auf der Suche nach Inspiration wandten wir uns der Natur zu und konzentrierten uns auf Bilder von Bewegung, die durch Kräfte wie Wind und Wasser geschaffen werden“,

erklärt Laurens van den Acker.

„Solch natürliche Strömungslinien verleihen einen intuitiven Sinn für Bewegung. Wir wollten Fahrzeuge bauen, die diese natürliche Bewegung wie mit einem Schnappschuss einfangen. Dabei fiel uns auf, dass die Automobilindustrie eine der wenigen Branchen ist, die diese verblüffenden natürlichen Strukturen der Landschaft bisher noch nicht eingefangen hat – ganz im Gegensatz zu Architektur, Mode und Produktdesign. Dies bot uns eine großartige Gelegenheit, diese Formen für das Mazda Design zu interpretieren.“

 

„Unsere neue Oberflächensprache stellt das Fahrzeug ins Zentrum“,

fügt Franz von Holzhausen hinzu.

„Nachdem wir uns den sehr starren architektonischen Ansatz und den hochgradig fließenden organischen Ansatz angesehen haben, entwickelten wir Nagare, um diese beiden Disziplinen zu überspannen. Sie ist flüssig, anmutig und dynamisch. Aber die Botschaft, die sie dem Betrachter vermittelt, ist die der fließenden Bewegung.“

In der Folge begannen die Mazda Designer mit der Erforschung von Möglichkeiten, Fahrzeugoberflächen so zu strukturieren, als ob sie auf natürlichem Wege durch Luft oder Wasser geformt wurden. Das Designteam entwickelte eine Oberflächensprache, um ihre Philosophie des Fließens optisch auszudrücken. Wie die Elemente der Natur, die sie inspiriert hatten, so wollten die Designer die rohe, unverfälschte Kraft der Bewegung von Mazda Fahrzeugen vermitteln, selbst wenn diese stillstehen, wie Laurens van den Acker erläutert:

„Wir entdeckten, dass das Designkonzept eine überaus aufregende und logische kreative Herangehensweise repräsentierte, nämlich die in der Natur beobachtete Bewegung als Ausdruck von Energie auf ein von Menschen gemachtes Objekt wie ein Auto zu übertragen. Diese Erkenntnis erlaubte es uns, in der Folge ein dramatisches und einzigartiges Design nach dem anderen zu kreieren.“


Das herkömmliche Automobildesign schreibt vor, dass Karosserieflächen aus geschmeidigen, sauberen und klaren Oberflächen bestehen müssen. Das Fließen aber ist wie ein Kräusel- oder Welleneffekt auf der Oberfläche des Metalls.

„Die Oberflächensprache von Nagare wendet sich gegen die konventionelle Lehre von glatten und unkomplizierten Oberflächen“,

sagt Franz von Holzhausen.

„Das haben wir alle an der Universität gelernt, und deswegen geht uns das gegen den Strich.“

 

„Wir brechen die goldene Regel des Designs“,

ergänzt Laurens van den Acker.

„Sie besagt, dass man vereinfachen soll. Jeder wird Ihnen sagen, dass Sie Linien entfernen sollen, bis keine mehr übrig sind, die entfernt werden können. Wir hingegen fügen Linien hinzu. Das mag zunächst gegen die Intuition sein, aber wenn wir es gut machen, sieht es natürlich aus und erschafft Schönheit.“ 

„Fluss“: Die Nagare-Designserie von Mazda

„Jedes Konzeptfahrzeug gewichtet das Verhältnis zwischen Bewegung und Fluss im Hinblick auf die Oberflächengestaltung ein wenig anders. Es gibt keinen richtigen oder falschen Weg, um den Eindruck von Bewegung einzufangen; daher verkörpert jedes Konzeptfahrzeug der Nagare-Serie eine andere Interpretation unserer neuen Oberflächensprache.“ Laurens van den Acker, General Manager Design Division

Das erste Konzeptfahrzeug mit dem Motiv des Fließens war der Mazda Nagare, der im November 2006 vorgestellt wurde. Als erstes Modell einer Serie von Designkonzepten – manche näher an aktuellen Serienfahrzeugen als andere – stellte der Nagare eine Erforschung der fließenden Oberflächen dar. Der Mazda Ryuga folgte kurze Zeit später im Januar 2007 und lotete die Idee aus, die Schönheit der Bewegung mit von Menschen gemachten Strukturen zu verbinden: in diesem Fall die traditionellen japanischen Steingärten. Mit der Vorstellung des Hakaze im April 2007 untersuchte die Designsprache die verschiedenen Fahrzeuginterpretationen auf ihre praktische Realisierbarkeit. Das Potenzial des Fluss-Designs bei der Interieur-Gestaltung nahm Formen an mit der Einführung des Taiki im Oktober 2007. Der im Januar 2008 vorgestellte Furai lotete hingegen die extrem sportlichen Möglichkeiten der Designsprache aus.


Alle Konzeptfahrzeuge der Nagare-Serie bestätigen, dass sich die Fluss-Strategie von Mazda über das Stadium einer Designübung hinaus in Richtung einer echten Produktionsrealität entwickelt. Die Serie wird im Laufe des Jahres 2008 mit der Vorstellung weiterer Modelle fortgesetzt.

 

Mazda Nagare: Los Angeles Motor Show 2007 (Oktober 2006)

„Das Konzept eines Konzepts“: Das war die erste Präsentation des Nagare-Konzeptfahrzeugs als Vorstellung der gleichnamigen Designsprache in den Worten von Franz von Holzhausen, der das Designteam bei der Entwicklung des Nagare-Konzepts leitete. Zu dieser Zeit erforschten die Mazda Designer potenzielle Oberflächenformen und Fahrzeugproportionen, aus denen dann die Evolution von Nagare entstand. Die Form des Nagare wurde von funktionellen Realitäten nicht beeinträchtigt; es war einfach die visuelle Blaupause der konzeptionellen Zielrichtung.


Obwohl das Fahrzeug einen intellektuellen Prozess erst einleitete, zeigt es bereits viele Komponenten der Designsprache, die bleiben sollten. Die geschmeidige und aerodynamische Form erwies sich als widerstandsfähig und sollte später alle folgenden Konzeptfahrzeuge ebenso beeinflussen wie die weit außen platzierten und damit Agilität ausdrückenden Räder.

Am eindrucksvollsten sind die zwei langen Schmetterlingstüren, die nach vorne und nach oben öffnen, um einen besonders leichten Zugang zum Innenraum des Viersitzers zu erlauben. Mit einem zentral angeordneten Fahrersitz und den sich wie in einer Lounge herum gruppierten Rücksitzen gelingt dem Nagare eine innovative Bündelung von Fahrdynamik und Innenraum-Funktionalität.

„Unser Studio in Irvine leistete durch die Entwicklung des Nagare-Konzeptfahrzeugs wirklich Pionierarbeit für die gesamte Designphilosophie“, erläutert Franz von Holzhausen. „Sie erwuchs auf Grundlage der früheren Studien Senku und Kabura. Als wir das Konzeptfahrzeug Nagare entwickelten, wurde uns klar, dass wir damit eine Designphilosophie schaffen, die jede Menge Licht ausstrahlt.“

Mazda Nagare Mazda Nagare Mazda Nagare Mazda Nagare Mazda Nagare
Mazda Nagare Mazda Nagare

 

Mazda Ryuga: North American International Auto Show 2007

Als der Mazda Ryuga im Mazda Designzentrum Hiroshima unter der Leitung von Chefdesigner Yasushi Nakamuta entstand, begannen die beteiligten Designer, sich die Frage zu stellen: „Wie formt die Natur Objekte, wenn sie dabei vom Menschen gesteuert wird?“ Das Ergebnis war der enorm erfolgreiche und schöne Ryuga, „eine erforschende Studie“, die durch verschiedene Details der Designsprache Präzisierungen und Wirklichkeiten hinzufügte, die beim ersten Konzeptfahrzeug unmöglich gewesen waren.

Der Ryuga verstand es, sowohl natürliche Schönheit als auch von Menschen gemachte Bewegung auszudrücken. Die umwerfenden seitlichen Oberflächen waren inspiriert durch die einfache, aber veredelte Strömung vorsichtig geharkter Steine aus japanischen Karesansui-Gärten. Wie schon beim Nagare sorgte die Keilform für den Eindruck von Dynamik und Bewegung. In den Worten von Laurens van den Acker gab der Ryuga der entstehenden Nagare-Designphilosophie Präzisierungen und Definitionen mit auf den Weg: durch das Hinzufügen von Antriebsstrang und Interieur-Designdetails, die im Nagare noch gefehlt hatten.

Erneut platzierte das Designteam 21 Zoll große Räder weit in den Ecken des Fahrzeugs. Sie verliehen dem Fahrzeug selbst im Stand einen erstaunlichen Eindruck von Bewegung. Details wie die Scheinwerferform, die durch den von Bambus fallenden Morgentau inspiriert ist, oder die Lavaströme andeutenden Rückleuchten unterstreichen, welchen Meilenstein die Designer mit dem Ryuga erreicht hatten.

Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga
Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga Mazda Ryuga

 

Mazda Hakaze: Genfer Automobilsalon 2007

Der im Designzentrum von Mazda Motor Europe in der Nähe von Frankfurt entwickelte Hakaze ist ein Crossover-Coupé mit Roadster-Feeling und legt die Designsprache Nagare praktischer und funktionaler aus als seine Vorläufer. Der Hakaze wurde für Kunden entwickelt, die ein Cabrio oder Coupé fahren wollen, aus Gründen ihres Lebensstils aber auch auf praktische Eigenschaften eines Fahrzeugs Wert legen. Der Hakaze zeigte mit einer Reihe von Features, dass er diese Anforderungen erfüllt: Das Konzeptfahrzeug ist agil wie ein Coupé, besitzt die Praktikabilität und die Funktionen eines SUVs und vermittelt zugleich Roadster-Feeling durch ein abnehmbares Glasdach, das in einem ausfahrbaren Fach im hinteren Stoßfänger verstaut werden kann.

Besonders überraschte der Hakaze mit seinen extrem kompakten Proportionen: Das Konzeptfahrzeug ist nur 15 mm länger als ein Mazda3 Schrägheck, dabei aber weiter und länger. Bei der Gestaltung der Oberfläche ließen sich die Designer von einer Kombination aus Elementen der Natur wie Sanddünen und technologischen Objekten aus Menschenhand wie Schnellboten oder Flugzeugen inspirieren. Ergebnis ist eine muskulösere und straffere Interpretation der Nagare Formensprache, die einem Fahrzeug dieser Gattung wie auf den Leib geschneidert ist. Als Weiterentwicklung des Konzeptfahrzeugs Sassou zeigte der Hakaze zudem ein einzigartiges Beleuchtungskonzept. Dabei erzeugt das durch das tiefere Heckfenster strömende Licht einen Eindruck des Schwebens.

Der Hakaze ist ein Konzeptfahrzeug, das gleichermaßen agil und robust ist, dabei eine Brücke zwischen den Fahrzeugarten Coupé und SUV schlägt und die bislang zeitgenössischste Interpretation der Nagare-Formensprache darstellt.

Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze
Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze Mazda Hakaze

 

Mazda Taiki: Tokyo Motor Show 2007

Als futuristischster Entwurf der Nagare-Serie ist der Taiki ein Sportwagen für die nachhaltige Gesellschaft der Zukunft, der dank Gewichtsreduzierung und aerodynamischer Optimierung das Ziel verfolgt, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen zu verringern.

Von der Erdatmosphäre inspiriert (was auch der Name im Japanischen bedeutet), wurde die bahnbrechende, gestreckte Coupé-Form mit Frontmotor, Hinterradantrieb, kurzen Karosserieüberhängen und Glasdach designt, um die Strömung der Luft zu visualisieren. Dies zeigt sich in allen Karosseriekomponenten wie der Oberflächenstruktur, den komplexen, aber schönen Radhäusern und dem flügelartigen Heck.

Die komplexen Wellenformen des Taiki sind inspiriert durch den Fluss von Fasern im Wind - die fließenden Gewänder einer himmlischen Jungfrau in einer japanischen Legende und die steigenden Wind-Karpfen „Koinobori“. Ergebnis ist ein für einen Sportwagen ungewöhnlich unaggressives und verantwortungsvolles Design.

Das von Chefdesigner Atsuhiko Yamada, Manager Advance Design Group, geleitete Team der Design-Division in Yokohama entwickelte auf Basis des Koinobori-Themas ein Luftröhren-Konzept, das unverkennbar komplex und futuristisch ist. Der Taiki legt die Nagare-Formensprache im Interieur am bislang fortschrittlichsten aus: Die Strömung der Luft formt dabei buchstäblich die fließenden Flächen der Interieur-Komponenten, insbesondere die Art und Weise, wie die Armaturentafel durch die Sitze und hinunter in die Türverkleidung fließt. Moderne Biokunststoffe, bei deren Herstellung im Vergleich zu herkömmlichen Kunststoffen weniger CO2 freigesetzt wird, formten das Interieur mit seiner Ying-und-Yang-Trennung des fahrerorientierten Cockpits vom ruhigen, entspannten Passagierbereich.

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Mazda Taiki

 

Mazda Furai: North American International Auto Show 2008

Das Konzeptfahrzeug Mazda Furai (Japanisch für „Der Klang des Windes“) ist die bisher sportlichste Interpretation der hochgelobten Designsprache Nagare und zugleich eine Reminiszenz an die 40 Jahre währende Motorsporttradition.

Unter der Federführung von Design-Direktor Franz von Holzhausen wurde die sportliche Studie im kalifornischen Designzentrum Mazda North American Operations (MNAO) in Irvine entworfen. Das Kreativteam verwischte mit dem Furai die Grenzen zwischen Straßenfahrzeugen und Sportwagen und schuf ein voll funktionstüchtiges Rennauto. Auf der Basis eines Courage C65 Chassis, eines erfolgreich in der American Le Mans Serie (ALMS) eingesetzten Prototyps, entwarf das Designteam einen Sportwagen mit geschlossenem Cockpit und Nagare-Designelementen. Bei den vier Vorläufer-Studien wurden unterschiedliche Möglichkeiten der Nagare-Ästhetik erforscht und entwickelt. Optische Features wie die aggressiv gezeichneten Scheinwerfer und der typische Fünf-Punkt-Kühlergrill standen dabei im Mittelpunkt. Dagegen erfüllen beim Furai jede Struktur und jedes Detail einen bestimmten praktischen Zweck.

Während das Taiki-Konzept noch als visuelle Interpretation des Luftstroms zu verstehen war, steht der Furai für die optimale Luftführung. Indem sie den Fahrtwind besonders günstig durch das Fahrzeug und um den Karosseriekörper herum leiten, steigern die fließenden Nagare-Linien die aerodynamische Effizienz des Automobils. Das Luftfluss-Paket an der Front leitet den Wind zum Fahrzeugunterboden und zum Motorkühler. Die seitliche Linienführung hingegen sorgt für einen idealen Luftstrom zu den hinteren Bremsen, dem Öl- und Getriebe-Kühler. Ein Diffusor am Unterboden saugt zudem die Luftmassen aus der Motorkühlung sowie dem Motorraum und leitet sie über das Heck aus dem Fahrzeug heraus. 

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Mazda Furai

 

3. Menschen bei Mazda: Die Seele von Mazda

Laurens van den Acker, General Manager, Design Division, Mazda Corporation

Laurens van den Acker ist General Manager der Mazda Design Division. Er verantwortet das Design und die Gestaltung aller Mazda Serien- und Konzeptfahrzeuge weltweit. Dank seiner Initiative wurde Nagare als neue Mazda Formensprache eingeführt. Als treibende Kraft steckt van den Acker auch hinter der Gründung des kreativen globalen Designnetzwerkes.

Bevor van den Acker zu Mazda wechselte, war er als Chefdesigner für Strategic Design im Dearborn Advanced Studio, einem nordamerikanischen Standort der Ford Motor Company, tätig. Zuvor war er sieben Jahre lang in unterschiedlichen Positionen bei Ford beschäftigt. Dabei verantwortete er als Chefdesigner die Gestaltung des Ford Escape und des Mercury Mariner und leitete als Chefdesigner das Strategic Design sowie die Brand Imaging Group von Ford. Darüber hinaus arbeitete van den Acker für andere Unternehmen wie Volvo oder Audi. Während der Zeit bei Ford arbeitete er an wichtigen Serienmodellen wie dem Model U, dem 427, dem Bronco oder dem GloCar-Konzept.

Seinen Abschluss als Master of Engineering machte Laurens van den Acker an der Fakultät für Industrielles Design der Technischen Universität von Delft in den Niederlanden. Heute ist van den Acker stolz darauf, als Leiter der Mazda Design-Aktivitäten für ein Unternehmen zu arbeiten, das viel in Innovationen investiert.

„Durch die Stärkung der visuellen Präsenz erschaffen wir eine vollkommen neue Generation von Mazda Fahrzeugen und bekräftigen so die Unternehmenstradition, sportliche Fahrzeuge voller Leidenschaft zu bauen. So wie wir es zuletzt mit den Konzeptstudien Taiki und Ryuga präsentiert haben, werden Elemente des Nagare-Designs in ähnlicher Ausführung bei zukünftigen Mazda Modellen zu sehen sein.“

Peter Birtwhistle, Chefdesigner, Mazda Research & Development, Oberursel

Peter Birtwhistle ist Chefdesigner von Mazda Motor Europe. Am europäischen Mazda Forschungs- und Entwicklungszentrum im deutschen Oberursel bei Frankfurt ist er für die Designaktivitäten und für alle europäischen Mazda Modelle zuständig. Birt-whistle führt ein internationales Team von Designern und ist auf dem Markt mit dem anspruchvollsten Wettbewerb verantwortlich für den Entwurf neuer Modelle, beispielsweise in Gestalt der dritten komplett neuen Designstudie der Saison, dem Mazda Hakaze. Das kompakte Crossover Coupé mit Roadster-Elementen ist das Werk des europäischen Designcenters in Oberursel.

Birtwhistle kam 1988 als Senior Designer zu Mazda und leitet die europäischen Designaktivitäten des Unternehmens seit dem Jahr 2000. Bevor er zum Mazda Designteam stieß, war Birtwhistle in unterschiedlichen Funktionen bei Porsche, Audi und Vauxhall tätig. Sein Studium im Automotive Design absolvierte er am Royal College of Art in London.

„Mit unserer neuen Designphilosophie gewinnen unsere Fahrzeuge an visueller Ausdrucks- und Anziehungskraft. Es ist einfach großartig, ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Wir durchlaufen sehr schöpferische Zeiten, weil alle offen für neue Ideen sind und wir Designer haben, die vielfältige und detailreiche Elemente erschaffen können. Die Formen und Features, die wir zurzeit kreieren, wären vor Nagare undenkbar gewesen.“

Franz von Holzhausen, Direktor Design, Mazda North American Operations

Franz von Holzhausen ist Design-Direktor bei Mazda North American Operations (MNAO). Er ist verantwortlich für das Design und die Entwicklung von allen Mazda Fahrzeugen bei MNAO und arbeitet am Design- und Entwicklungszentrum im kalifornischen Irvine.

Von Holzhausen wechselte zu Mazda, nachdem er als Design-Manager bei General Motors unter anderem die Entwicklung des Pontiac Solstice sowie von Derivaten der Marke Saturn geleitet hatte. Vor seiner Zeit bei GM arbeitete von Holzhausen als Assistant Chiefdesigner bei Volkswagen. Dort war er maßgeblich beteiligt an der Entwicklung des Audi TT oder des Concept 1 New Beetle und arbeitete hier mit J. Mays, Vice President Design Ford Motor Company, zusammen.

Von Holzhausen leitete die Entwicklung des Konzeptfahrzeugs Nagare, das erste Modell, das die neue Designphilosophie des „Fließens“ verkörperte, und das später zu der Studie Ryuga führen sollte. Er und sein Irvine-Design-Team halfen bei der Umsetzung des Ryuga-Konzepts, das später in Japan vollendet und gebaut wurde. Auch die letzte Nagare-Studie Furai wurde in den Irvine-Studios gefertigt.

Seine größte Inspiration findet von Holzhausen in Projekten, die wirkliche Innovationen schaffen: „Ganz egal ob bei der Arbeit oder privat: Ich liebe es, neue Wege zu beschreiten. Bis zu einem gewissen Grad erschaffen wir einfach das Design, auf das die Menschen gewartet haben. Wir reißen Mauern im Automobildesign ein, die einfach eingerissen werden mussten.“

„Es ist ein bahnbrechendes Design und meilenweit entfernt von anderen in der Industrie. Die strukturierten Oberflächen, die Formensprache und die Verarbeitung: Es unterscheidet sich grundlegend von allem anderen, das es zurzeit gibt.“

Atsuhiko Yamada, Chefdesigner Advance Design Group, Design Division, Yokohama

Atsuhiko Yamada ist der Chefdesigner der Advance Design Group der Mazda Design Division in Yokohama (Japan). Er ist verantwortlich für das Design und die Entwicklung aller Mazda Modelle für das japanische und asiatische Geschäft.

Sein Team in Yokohama beschäftigt sich mit der Entwicklung von Designs der Zukunft in fünf bis zehn Jahren. Die Designer entwickelten hier die Studien Ryuga und Taiki. Yamadas Team erforscht und studiert aktuelle wie künftige Design-Trends und beobachtet dabei unterschiedliche Bereiche wie die Pop-Kultur, zeitgenössische Architektur oder aktuelle Produkt- und Mode-Designs und entwickelt daraus Produkte für lokale Märkte.

In jüngerer Zeit war er maßgeblich an der Designentwicklung von Fahrzeugen wie dem Mazda2, dem Mazda6 und dem Mazda CX-9 beteiligt.

„Für mich ist die Nagare-Philosophie die natürliche Art, ein Fahrzeug zu entwerfen“, erklärt Atsuhiko Yamada. „Historisch gesehen sind Japans Kultur und Design stark durch die Natur beeinflusst worden. Man sieht das an vielen wunderschönen fließenden Formen in der Architektur, im Garten, in der Kunst und der Mode. In so einer Umgebung wurde ich erzogen und ich finde es sehr spannend, die Schönheit der Natur in Automobildesign zu übersetzen.“

„Ich denke, dass das Design bei vielen Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen Anklang findet, da jeder die Schönheit der Natur genießt. In Nagare stecken unbegrenzte Design-Möglichkeiten, und es könnte ewig so weiter gehen.“

4. Design-Preise für Mazda Konzeptfahrzeuge


•    Senku: “Most Beautiful Design Concept, Festival Automobile International, Paris, 2005

•    Kabura: Aesthetic and Innovation Award, Detroit Motor Show, 2006

•    Ryuga: Louis Vuitton Classic Concept Award, Detroit Motor Show, 2008

•    Internationales Mazda Designteam: Grand Prix du Design, Festival Automobile International, Paris, 2008